5.2.6. Die verschiedenen Streßmuster
Eine nicht - pathogene Schädigung, z.B. ausgelöst durch Überfüllung im Wurzelbereich, zeigt sich auf unterschiedliche Weise in der Verzweigung der Baumkrone.
Gleissner beobachtet vier verschiedene Streßsymtome, die an den verschiedenen Baumarten mehr oder weniger einzeln oder in Kombination auftreten.
Nach den Baumarten, bei denen sich eine solche nicht-pathogene Schädigung hauptsächlich in einem Schadsymtom zeigt, werden folgende Kategorien bezeichnet (wobei die geschädigten Bäume aber häufig noch Symtome aus anderen Kategorien zeigen):
1. Der Fagus-Schadestyp:
Das von Roloff an der Buche entwickelte Schadensbild der Längenreduktion behält auch bei Gleissner für die Buche weitgehend seine Gültigkeit. Die Wipfeltriebe einer gestreßten Buche können außerdem die Schattenarchitektur eines unteren Astes nachahmen.
Das nachträgliche Aufrichten durch Verholzung bleibt geschwächt, die Seitentriebe drehen sich nicht mehr so aus der zweizeiligen, flächigen Verzweigung, um ein dreidimensionales Muster aufzubauen, wie es bei einem vitalen Wipfeltrieb der Fall ist.
Der gestreßte Wipfel neigt sich seitwärts und bleibt flach.
Obwohl die Buche bei Freistellung sehr plastisch reagieren kann ("Chablis-Effekt"/ Langtriebbildung), ist ihre Reiterationsneigung eher gering.
Neben diesem "Fagus-Schadenstyp" der Längenreduktion, erkennt Gleissner jedoch drei weitere, welche durch andere Schadensmerkmale charakterisiert werden können.