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Reisebericht, Seite 5 von 5

Jasper und ich schneiden eine ausladende Stieleiche. Der breite, filigrane Wuchs der Baumkrone erstreckt sich weit über die wertvollen Grabmahle. Wir beschließen, die Äste im Feinastbereich vorsorglich leicht zu entlasten. Die leichte Auslichtung im Kronenmantel stellt wegen der Erhaltung der Ästhetik des Baumes in seinem wertvollen Umfeld höchste Ansprüche. Anatolij honoriert unsere Schnitt- und Kletterarbeit.

 

Später zeigt uns Anatolij noch einen sanierten Baum auf dem Friedhof. Er hat bei einer alten Linde das ganze Faulholz entnommen. Der dicke Stamm des Baumes ist bis in einer Höhe von ca. 10m vollkommen ausgehöhlt. Die Öffnungen hat er mit zugeschnittenen und entsprechend der Stammform gebogenen Blechen verschlossen. Ein schönes Beispiel des auch bei uns früher ausgeübten Handwerkes der Baumchirurgie. Unser Blick geht auf die überlastigen Kronenteile, die in ca. 10 Metern Höhe auf den Faulstellen sitzen. Wir teilen ihm unsere Sorgen mit und dass wir die Krone entlasten würden und eventuell Kronensicherungsseile einbauen würden.

Auf dem alten Teil des Friedhofs laden uns Anatolijs Leute noch zu einem Abschiedsessen ein. Inmitten der alten, dicht zusammen stehenden Grabsteine wird ein kleines Tischchen gedeckt. Es gibt russischen Gemüsekuchen, Huhn, Brot, Früchte und Tee. Auf den uns umgebenen Grabmahlen befinden sich ganz besondere Ornamente und Innschriften, die einen heiteren, beinahe ironischen Umgang mit dem Tod bezeugen. Die Karikaturen von Totenköpfen, die entweichenden Seelen, die Schlange der Unendlichkeit, ein gebrochener Anker, verbinden sich im Erleben mit der Herzlichkeit unseres Zusammenseins und machen dieses besondere Picknick an diesem besonderen Ort zum Höhepunkt der Reise.

 

In den nächsten zwei Tagen schauen wir uns noch die Stadt an und fahren mit Anatolij über das Land.

 

Am letzten Tag bereiten Ludmila und Mascha zum Abschied in unserer Wohnung ein Festessen vor. Anatolij verteilt Geschenke, wir stoßen auf die Fortführung des Austauschprojektes mit Sekt an und erarbeiten ein kleines Schriftstück.

 

Wir planen Anatolij und seine Leute nach Hamburg einzuladen.

 

 

Vielen Dank an Anatolij und seine Familie, sowie an Viktor und Volodja, für diese eindrucksvolle und schöne Reise.

 


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